Trafo.1 – Burma-Porträts in der kleinsten Galerie Deutschlands

Trafo.1 – Die Idee

 

[von Michael Herrmann]
Aus purem Engagement für seine zweite Wahlheimat Regenmantel hatte der Mann, der im wahren Leben in Berlin als Journalist das Who-is-Who der deutschen und internationalen Promi-Welt vor seine Kamera holt, ein altes Trafohäuschen direkt vor seinem Haus von der Gemeinde übernommen. Der 13 Meter hohe sanierte Backsteinbau ist von einer Seite verputzt, orange grundiert und mit dem Schriftzug Trafo.1 gekennzeichnet. Die eigentliche Ausstellungsfläche ist nur drei Quadratmeter groß. Die Besucher sehen die Burma-Bilder als Videoinstallation durch eine Glasscheibe in der grünen Stahltür. Drückt man den Schalter neben der Tür, spielt die Musik, das Video mit den aneinandergereihten Burma-Porträts startet.

Vernissage-Präsentation in Falkenhagen

Die eigentliche Präsentation findet in der Alten Schule in Falkenhagen statt. 30 Stühle stehen in fünf Reihen vor der Bühne. Hermann Naehring hat sein Set aufgebaut. Der Name des Perkussionisten lässt Jazz-Herzen höher schlagen. Ende der 80er Jahre spielte er mit L’Art de Passage die Platte „Sehnsucht nach Veränderung“ ein, arbeitete danach mit Keimzeit, Warnfried Altmann, Friedrich Schorlemmer und Carmen Winter. Seit einiger Zeit wohnt er in Regenmantel und ist mit Pommerening befreundet. „Kling Klang, du und ich durch die Strassen der Stadt“ summt Jens Essbach, der uns zur heutigen Eröffnung begleitet hat. Als ausgemachter Jazz-Fan kennt er Naehring von zahlreichen Konzerten in Leipzig. Er und der Meister auf einer Bühne, welche Ehre! Der Gastgeber eröffnet die Veranstaltung. Hermann Naehring und sein Schüler beginnen zu spielen, erfüllen den Raum mit ihren Sounds. Große Gongs, Schellringe, Rasselrohre, Bongos schaffen einen träumerischen Klangteppich und untermalen die projizierten Burma-Bilder. Die Rhythmen der Bongo und des Xylofons steigern sich zum Finale, enden mit simultanen, trockenen Schlägen auf die Instrumente.
Danach ist die Talkrunde eröffnet. Pommerening alias Günther Jauch stellt die Gäste vor und entzündet seine Idee, die Gesichter der Welt in seine Galerien zu holen. Seine Worte finden breite Zustimmung. Die meisten Gäste sehen ebenfalls die tiefe Zufriedenheit der Burmesen, ihre Ruhe und Gelassenheit in den Bildern hervorragend umgesetzt. Jens Essbach erklärt die Arbeit der Burma Hilfe Leipzig e.V., betont abermals, dass die Gelder der verkauften Bücher zu 100% in die Projekte des Vereins fließen. Michael Bader ist an der Reihe. Er berichtet von den Anfängen, der spontanen Eingebung während einer Urlaubsreise, dem Wunsch, den Burmesen etwas zurückzugeben mit diesem Buch, erklärt die Crowdfunding-Finanzierung für den Druck. Er plaudert von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Myanmar, über seine Arbeit mit den Menschen vor Ort, von ihrer faszinierenden Art das Leben zu akzeptieren, wie es ist. Fragen werden gestellt und beantwortet, offizielle Schlussworte gesprochen. Das Büffet ist eröffnet! Pommerening, seine Frau und seine beiden Töchter haben asiatische Snacks bereitgestellt. Es gibt Glühwein und Apfelsaft. Alle schmatzen und schwatzen vergnügt. Bücher, Plakate und Karten werden verkauft. Zusammen mit dem Galeristen setzen wir uns ins Auto und fahren noch nach Dolgelin, zwei Dörfer weiter. Im Zentrum der Gemeinde hat Pommerening gemeinsam mit einem örtlichen Sponsor ein altes Wiegehäuschen einer angeschlossenen Fabrik zur Galerie Trafo.2 ausgebaut. Es hängen die Burma-Porträts, gedruckt auf 36x36cm Forex-Platten an Angelsehnen von der Decke. Der kleine beleuchtete Raum, geschmückt mit Lichterketten, gerahmt von einer gezimmerten Sitzgarnitur und einer drei Meter hohen Holzskulptur wirkt in der sonst dunklen Ortsmitte ein wenig wie ein gelandetes Raumschiff.

Es bleibt ein Lächeln zurück

Wir fahren zurück nach Leipzig und haben alle ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Unser kleiner Ausflug hat unglaublich viel Spass gemacht. Michael Pommerening, seine Freunde und Familie sind warmherzige, engagierte Menschen, die kulturelles Leben in diese Ecke Brandenburgs bringen. Mit ambitionierter Hartnäckigkeit wird er dies auch weiterhin tun. Für die Zukunft plant er bereits einen Galerie-Rundweg für kunstbegeisterte Radler und ist ein wichtiger Ansprechpartner vieler Gemeinden, wenn es um die kulturelle Umnutzung leerstehender Gebäude in der Gegend geht. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen, nächstes Mal vielleicht im Sommer, ein bisschen Landluft schnuppern und mit neuen Freunden am Feuer über zukünftige Projekte spekulieren. Danke Michael Pommerening & Familie, danke Hermann Naehring, danke Regenmantel. Es war ein wunderbarer 3. Advent.